Von der Bibel zum Bullet Point: Wie sich der Businessplan verändert hat

Startups schreiben heute keine Romane mehr – und Investoren lesen auch keine.

Der klassische Businessplan hat sich gewandelt. Nicht abgeschafft, aber neu erfunden.

Wer vor zehn Jahren ein Startup gründete, konnte sicher sein: Ohne Businessplan lief gar nichts. Dreißig Seiten und mehr, ordentlich gegliedert, mit Marktanalyse, Umsatzprognose, Teamstruktur, Produktbeschreibung, Finanzplan. Word-Datei, PDF, vielleicht sogar ausgedruckt. Es war die Eintrittskarte in die Welt der Finanzierung – bei Banken, Förderprogrammen, Business Angels und VCs.

Heute? Reicht oft eine gut gestaltete Präsentation. Das Pitch Deck ist der neue Standard. Kompakt, visuell, narrativ. Es geht nicht mehr nur darum, ob das Geschäftsmodell durchdacht ist – sondern ob man es in 10 Folien erklären kann. Investoren wollen verstehen, was das Problem ist, wer es löst, und warum gerade dieses Team dafür das richtige ist.

Pitch Deck statt Planungsepos

Pitch Decks sind die Antwort auf die Geschwindigkeit, mit der heute in der Frühphase Kapital gesucht und verteilt wird. Niemand liest mehr seitenlange Marktanalysen, bevor klar ist, ob das Projekt überhaupt spannend klingt.

Deshalb hat sich der Fokus verschoben: Vom Planen zum Erzählen. Vom Dokument zur Präsentation.

Doch das bedeutet nicht, dass der Businessplan tot ist. Nur dass er anders geworden ist.

Der Businessplan lebt – aber in neuer Form

Längst wird er nicht mehr als starres PDF abgeheftet, sondern als lebendes Dokument gepflegt – modular, digital, oft in Tools wie Notion oder Google Docs. Statt langfristiger Prognosen dominieren heute kurzfristige Szenarien, fundierte KPIs und dynamische Finanzmodelle.

Er dient weniger der Überzeugung als der Vertiefung. Wer mit dem Pitch Deck eine starke Vision vermittelt hat, wird früher oder später gefragt: „Können wir uns die Zahlen einmal genauer anschauen?“ Dann schlägt die Stunde des modernen Businessplans – nicht als Argument, sondern als Substanz.

Ein neues Zusammenspiel

Pitch Deck und Businessplan sind also keine Gegensätze, sondern Partner. Das eine vermittelt das große Potenzial, das andere liefert die Details.
Wo früher ein einziger Plan für alles herhalten musste – von Erstkontakt bis Due Diligence –, gibt es heute eine klare Rollenverteilung:

  • Das Pitch Deck: Die Vision auf den Punkt bringen, Begeisterung auslösen, Richtung zeigen.

  • Der Businessplan: Tiefer bohren, Details zeigen, Substanz liefern.

Erfolgreiche Gründerinnen und Gründer wissen das. Sie denken nicht in Dokumenten, sondern in Erwartungen: Was braucht mein Gegenüber in diesem Moment? Eine klare Story? Greifbare Zahlen? Zukunftssicherheit?

Die Ausnahme: Wenn der Hype alles überstrahlt

Natürlich gibt es Ausnahmen – und die sind oft besonders sichtbar.

Gerade in stark gehypten Bereichen wie Künstliche Intelligenz oder Climate Tech reichen manchmal vage Konzepte und ein starkes Narrativ, um Millionenbeträge zu bewegen. Hier entscheiden Investoren gelegentlich auf Basis der Vision, nicht der Validierung.

Doch solche Fälle sind selten – und meist geprägt von außergewöhnlichem Timing, beeindruckenden Teams oder prominenten Vorinvestoren. Für die meisten Startups gilt weiterhin: Ohne belastbare Substanz bleibt es beim Pitch.

Die großen Summen und schnellen Deals solcher Ausnahmen verzerren manchmal das Bild – aber sie bestätigen letztlich nur die Regel: Wer ernst genommen werden will, braucht früher oder später Tiefe.

Fazit: Substanz schlägt Format

Es geht nicht darum, ob man noch einen Businessplan braucht – sondern wann und wie.
Wer Investor:innen heute überzeugen will, braucht beides: eine starke Story auf zehn Slides – und ein solides Fundament im Hintergrund.

Denn gute Ideen verkaufen sich schnell. Aber Vertrauen entsteht durch Klarheit. Tiefe. Orientierung.